Kölsche Basketball-Schnittstelle mit bayerischen Wurzeln

Johannes „JJ“ Strasser war eine lange Zeit seiner Profi-Karriere in Köln in der BBL aktiv. Nach mehreren Zwischenstationen spielte er auch seine letzte Saison als Basketballer bei den RheinStars in der 2. Regionalliga, bevor er dann für ein Jahr das Traineramt in Köln übernahm und das Team zur Meisterschaft in der Regionalliga führte. Nun leitet der gebürtige Dachauer die Schulentwicklung der RheinStars und ist seit Anfang November fest mit einer Vollzeit-Stelle im Office-Team dabei. Im folgenden Verhör spricht der ehemalige Point Guard über seine Aufgaben im Verein, den Weg ins Rheinland und das spannendste Spiel seines Lebens.

Woher kommt der Spitzname „JJ“?

(lacht) Da steckt tatsächlich eine Geschichte hinter. Als ich in meinen jungen Jahren noch in München Jugendbasketball gespielt habe, war mein älterer Bruder im selben Verein schon in der ersten Mannschaft. Dort war der allerdings der jüngste und wurde deshalb „Junior“ genannt. Ein Jahr später rückte ich dann nach und bekam den Spitznamen „JuniorJunior“, also „JJ“.

Und der Name ist hängengeblieben?

Ja, in Basketballkreisen hat sich das durchgesetzt, da reagiere ich nur noch auf „JJ“. Außerhalb vom Basketball nennt man mich aber eher Hannes oder Johannes.

Dein Engagement im Verein wärt schon lange, wofür bist du denn bei den RheinStars zuständig?

Meine Zuständigkeit kann man sich als Schnittstelle zwischen der GmbH und dem Hauptverein vorstellen, mit drei wesentlichen Säulen. Primär beschäftige ich mich momentan mit der Kooperation zwischen den RheinStars und Grundschulen im Umkreis, um Basketball gerade in diesem Bereich bekannter zu machen und Kinder mit diesem großartigen Sport in Berührung zu bringen. Dabei geht es nicht um Talentsichtung oder Leistungssport, sondern darum Kinder für Sport zu begeistern und ihnen Spaß an Bewegung zu vermitteln. Der zweite Tätigkeitsbereich liegt bei sozialen Projekten. Hier sind wir ganz frisch eine Kooperation mit dem „Körbe für Köln e.V.“ eingegangen und schauen, in welchen Sozialräumen rund um Köln die RheinStars mit Sport unterstützend tätig sein können. Meine dritte und wohl schwerste Aufgabe besteht darin in Zukunft Kooperationen mit anderen Vereinen einzugehen. Das gemeinsame Ziel sollte sein, den Basketball in Köln gemeinsam in allen Bereichen voran zu bringen.

Du hast die RheinStars zur Meisterschaft in der 1. Regionalliga geführt, und trotzdem war diese eine Saison deine erste und letzte als Head Coach. Ist das Trainer-Dasein nichts für dich?

(lacht) Mir hat das eine Jahr unglaublich viel Spaß gemacht und es hat ja auch insgesamt funktioniert, aber ich hab mich nie wirklich als Trainer gesehen. Das ist ein sehr unsteter Beruf, bei dem man flexibel sein muss, was mir persönlich bis jetzt noch nicht lag.

Welche Beweggründe gab es, im Spätherbst deiner Karriere aus der BBL in die 2. Regionalliga West zu wechseln?

Ich war im Kopf in Bezug auf Profi-Basketball ganz einfach müde geworden. Ich hab 11,5 Jahre in der ersten Liga gespielt und man kennt nach so einer langen Zeit natürlich alle Hallen und jeden einzelnen. Man sitzt sehr viel im Bus und hat immer den gleichen Tagesablauf. Während meiner Karriere hat mir das total viel Spaß gemacht, aber ich war dann an einem Punkt, an dem ich einfach eine Veränderung brauchte, gerne auch weiterhin im Basketballbereich. Für mich war dieses eine Regionalligajahr total erfrischend, wir hatten nur drei Mal die Woche Training und die Auswärtsfahrten betrugen maximal eine Stunde. Ich hab diese Entscheidung bis jetzt nicht bereut und bin auch weiterhin mit großer Freude dabei.

Was hast du neben deiner Profi-Karriere studiert?

Ich habe aus Interesse mit Kulturwissenschaften angefangen, dies aber dann aus zeitlichen Gründen abgebrochen. Danach begann ich eine Ausbildung zum Sport-Fachwirt und bin nun beim Sport-Management-Studium angekommen, was neben dem Profi-Basketball einfach eingängiger war. Momentan bin ich in den letzten Zügen und fertige gerade meine Bachelorarbeit, eine Markenanalyse der RheinStars, an.

Wie bist du von München ins Rheinland gekommen?

Das war, als Rhöndorf damals die Erstligalizenz nach Frankfurt gab, um mit dem Profiteam in die zweite Liga zu gehen und wieder vermehrt auf Jugendarbeit zu setzen. Ich hab damals in Dachau in der Regionalliga gespielt und der damalige Trainer von Rhöndorf, Berthold Bisselik, hat mich in München Spielen sehen und meinte, er wolle mich gerne für die Zweitligamannschaft haben. Ich hatte dann in den Sommerferien eine Probewoche. Der Verein und das professionelle Umfeld dort haben mich dann so beeindruckt, dass ich schon direkt oben zugesagt hab und schließlich nach NRW gezogen bin.

Wäre das auch passiert, wenn damals Bayern schon Bundesliga gespielt hätte?

Wahrscheinlich nicht. Dann hätte ich es wahrscheinlich in München probiert, weil eigentlich hat es mir daheim so gut gefallen, dass ich da gar nicht weg wollte. Aber der Schritt in den Profisport führte damals halt leider raus aus München. Das war jedoch die beste Entscheidung, die ich hätte fällen können.

Welche internationalen Erfahrungen hast du in deiner Karriere gewonnen?

Einige, hauptsächlich mit der A2-Nationalmannschaft, für die ich mehrere Jahre lang aufgelaufen bin. Zu den schönsten Erfahrungen zählen wohl die zwei Universiaden, die ich mit der A2 gespielt hab. Das sind Olympische Spiele für Studenten, bei denen wir sportlich einmal mittelmäßig und einmal gut abgeschnitten haben. Wenn man da aber in einem Olympischen Dorf mit 120 anderen Nationen lebt und alle sind Studenten, das hatte echt eine unglaubliche Atmosphäre, das hat mich ungemein beeindruckt.

Welcher Trainer hat dich am meisten geprägt, wem sind drei Pokalsiege und eine Meisterschaft in der BBL zu verdanken?

Schwer zu sagen. Es geht natürlich immer im Jugendbereich los, meine Trainer in München (Dachau) waren total klasse. Mein Schritt mit Rhöndorf war auch sehr wichtig und da hat mich Berthold Bisselik super begleitet. In Köln hatte ich dann erstaunlicher Weise sehr viele Coaches, fast jedes Jahr einen neuen. Trotzdem nehme ich aus dieser Zeit auch fast nur Positives mit.

Hattest du auch schlechte Erfahrungen mit einem Trainer?

Ich hatte tatsächlich rein persönlich eine schlechte Erfahrung mit einem Trainer in Köln. Der ist unter der Saison gekommen, als es bei uns nicht so lief, wie es sollte. Er hat die Mannschaft dann nahezu komplett umgekrempelt und meine Rolle hatte sich dadurch doch sehr verschoben. Das Problem war, dass er sehr unnahbar war, also wenn man mit ihm kommunizieren wollte, hat er das eigentlich komplett abgeblockt. Wenn ich aber einen fachlich kompetentesten Trainer benennen müsste, wäre er das.

Wer war der beste Basketballer, mit dem du zu deiner aktiven Zeit zusammen gespielt hast?

Das ist schwer zu beantworten, ich habe mit so vielen guten Basketballern zusammengespielt. Wenn ich aber einen nennen müsste, wäre das wohl Duane Washington, mit dem ich bei Rhöndorf gespielt habe. Duane ist der Stiefbruder von Derek Fisher, der damals bei den Lakers gespielt hat, und war eigentlich viel zu gut für die zweite Bundesliga. Rhöndorf hatte es aber irgendwie geschafft, ihn aus der Erstligazeit zu halten. Der hat einfach das ganze Team besser gemacht und er war nicht so ein unangenehmer Spieler, der total auf sich bezogen war. Selbst viele Erstligaspieler konnten sein Niveau nicht erreichen.

Was war dein Moment/dein Spiel deiner Karriere?

Ein Spiel, an das ich mich auf jeden Fall immer wieder gerne erinnere, war das Auswärtsspiel am letzten Spieltag der Saison 2000/2001 in der zweiten Bundesliga zwischen dem Tabellenersten, Quakenbrück, und uns, dem Tabellenzweiten aus Rhöndorf. Der Sieger würde in die BBL aufsteigen und die Fans waren dementsprechend total euphorisiert und aggressiv, weil sie mit Quakenbrück natürlich unbedingt den Aufstieg schaffen wollten. Und dann haben wir das Alles-oder-Nichts-Spiel in diesem Hexenkessel nach doppelter Verlängerung gewonnen, das war unglaublich. Witzigerweise ist daraus die Wildcard für RheinEnergie Köln entstanden, da Rhöndorf die erworbene Erstligalizenz wieder abgegeben hatte. Ich wechselte daraufhin nach Köln, durfte meine erste BBL-Luft schnuppern und habe seitdem die Domstadt kennen und lieben gelernt.

Interviewer: Max Seitz